Dobrindts Taliban

Der derzeitige Innenminister Alexander Dobrindt von der „C“SU bezeichnet sich als gläubigen Katholik, angeblich betont er auch immer wieder seine „christlichen Wurzeln“.

Was immer er unter diesen „Wurzeln“ verstehen mag (sind die im Alten Testament stecken geblieben?) – er hat eine ziemlich feste Meinung von anderen Religionen. Das („evangelische“) Sonntagsblatt schreibt im Zuge einer Vorstellung des neuen Innenministers vor fast einem Jahr, am 25. Mai 2025:

„Dobrindts stellte die pauschale Behauptung auf, Werte wie Toleranz oder Nächstenliebe fänden sich in der „islamischen Welt” (was auch immer das sein mag) „so nicht wieder“. Nun beinhaltet eine derart starke Aussage zum einen stets ein sehr hohes Risiko, an der Realität zu scheitern. Zum anderen spricht er damit Muslim*innen in Deutschland und weltweit eiskalt demokratische Reife ab und widerspricht jeder Form religiöser Gleichbehandlung.“

Das hält den Innenminister nun aber nicht davon ab, mit extremistischen islamistischen Kräften wie bspw. der Taliban einen besonderen Verkehr zu betreiben bzw. betreiben zu lassen.

Nicht nur, dass er keine (christlichen?) Skrupel hat, Menschen, die im Auftrage „Deutschlands“ ihren Kopf in Afghanistan hingehalten haben nun – trotz vorheriger Aufnahme- und Unterstützungszusage – einfach mangels „politischem Interesse“ fallen zu lassen und Verfolgung, Folter und Tod zu überlassen [1].

Nein. Er lädt die Vertreter der Taliban sogar tatsächlich ein, um in den Gebäuden des Innenministeriums in Berlin Bundesamts für Migration und Flüchtlinge in Bonn diejenigen bereits in Deutschland lebenden und Schutz suchenden Menschen persönlich, also in direkter Gegenüberstellung „identifizieren“ zu lassen, um sie dann „rechtlich sicher“ abzuschieben [2].

Dieser Minister ist eine Schande. Die Grenzen zwischen der hasserfüllten AfD und anderen Parteien verwischen.

[1] Aus einem taz-Beitrag von Khadem Azad vom 2.5.2026, „Abgelehnt und ausgeliefert“:

„(…) Deutschland wollte De­mo­kra­t:in­nen vor den Taliban schützen – und ließ sie hängen. Ein Ex-Richter und seine Familie müssen um ihr Leben fürchten. (…)

Hashimi arbeitete bis zur Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 als Richter in einer der gefährlichsten Regionen der Provinz Paktia im Süden Afghanistans. (…) Als Richter verhandelte Hashimi zahlreiche Fälle, darunter auch Mord- und Scheidungsprozesse. Einer dieser Fälle wurde ihm schließlich zum Verhängnis: Im Jahr 2019 sprach er einer Frau die Trennung von ihrem gewalttätigen Ehemann zu. Nach Ideologie der Taliban und vieler islamischer Gelehrter ist eine solche Entscheidung nicht zulässig. (…)

Mit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 sah Hashimi sich gezwungen, die Region zu verlassen. (…) Auch der inzwischen den Taliban beigetretene Ex-Ehemann der Frau bedrohte Hashimi im März 2023 in einer WhatsApp-Nachricht: „Wenn ich dich erwische, bist du erledigt – deine Frau und deine Tochter nehme ich mir.“ (…) Zehntausende Menschen, die für die Bundeswehr gearbeitet oder sich für Menschenrechte engagiert hatten, mussten fürchten, verfolgt zu werden. Die damalige Bundesregierung versprach, gefährdete Personen aufzunehmen. (…) Nach vier Jahren auf der Flucht und in ständiger Todesangst erhalten Hashimi und seine Familie im Frühjahr 2025 schließlich eine Aufnahmezusage für Deutschland. Es gelingt ihm, seine Familie nach Pakistan in Sicherheit zu bringen. Bei der deutschen Botschaft in Islamabad reichen sie alle erforderlichen Unterlagen ein. „Wir glaubten, der deutsche Staat würde uns beschützen“, sagt Hashimi. Doch diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. (…)

Das Verwaltungsgericht Berlin entschied im Januar, dass die Bundesregierung die Visumanträge von Hashimi und seiner Familie erneut prüfen und dabei die Rechtsauffassung des Gerichts berücksichtigen soll. Vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg unterlag er jedoch. (…) Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte nach einer ähnlich lautenden Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts entschieden, dass „kein politisches Interesse zur Aufnahme“ mehr bestehe. (…)

„Die Geschichte wird das nicht vergessen“, sagt Hashimi. „Deutschland hat uns aus unseren Verstecken geholt, uns sichtbar gemacht und uns dann mit vollem Wissen denen ausgeliefert, die unser Blut wollen.“

Auf die Frage nach dem schlimmsten vorstellbaren Szenario schweigt er lange. Schließlich sagt er: „Es gibt nur zwei Möglichkeiten – entweder wir werden vor den Augen unserer Kinder von den Taliban hingerichtet oder wir versuchen, über die Berge und das Meer illegal an einen sicheren Ort zu gelangen.““

[2] Aus einem taz-Kommentar von Frederik Eikmanns vom 3.5.2026, „Schmutziger geht’s nicht“:

„(…) Nur wie schmutzig das Geschäft ist, auf das sich die Bundesregierung da eingelassen hat, das wissen wir erst seit den Enthüllungen des ZDF Magazin Royal aus der letzten Woche. Unter höchster Geheimhaltung karren die Bundesländer offensichtlich Afghanen nach Berlin, die abgeschoben werden sollen. Um ihre Identität festzustellen und die nötigen Papiere zu besorgen, werden die Betroffenen dann von den Taliban-Vertretern identifiziert – in den Gebäuden der deutschen Behörden.

Wir erinnern uns: Gegen die Taliban hat die Bundeswehr über zehn Jahre lang Krieg geführt. Und seit der Rückeroberung 2021 haben die Taliban ihr Land in einen abstoßenden Ort verwandelt: Frauen sind so massiv vom öffentlichen Leben, von Bildung und Gleichberechtigung ausgeschlossen, dass viele Be­ob­ach­te­r:in­nen von Geschlechter-Apartheid sprechen. Zuletzt führten die Taliban ein neues Gesetzbuch ein, das je nach sozialer Klasse des Angeklagten unterschiedliche Strafen vorsieht.

Nicht jeder und jede mag Mitleid finden für die Straftäter, um die es bei den Abschiebungen nach Afghanistan bislang geht. Aber das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) arbeitet schon daran, auch unbescholtene Af­gha­n:in­nen zurückzuzwingen. Und an der diplomatischen Aufwertung der Taliban, die das Zusammenarbeiten mit den Islamisten zwangsläufig bedeutet, kann wirklich niemand ein Interesse haben. (…)“

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