Der Deutschlandfunk meldete am 27.4.2026:
„Bundestagsvizepräsidentin Lindholz forderte die Regierung und das Parlament auf, die Nutzung des US-Anbieters einzustellen. In der „Bild“-Zeitung empfahl sie, auf den europäischen Messengerdienst Wire umzusteigen, der ein höheres Sicherheitsniveau biete.“
Diese unsinnige Aussage offenbart die technische Unkenntnis der CSU-Politikerin.
1. Das wichtigste zuerst:
Bei der aktuellen Debatte geht es darum, dass eine Menge hochrangiger Politiker*innen auf eine Phishing-Attacke bei der Nutzung des Messengers „Signal“ reingefallen sind.
Es handelt sich also nicht um einen „Hack“ von Signal, sondern um mangelnde Kompetenz der Nutzer*innen, die auch jede andere Kommunikationssoftware gleichermaßen gefährdet hätte.
(Lesenswert dazu auch der Kommentar von Falk Steiner auf heise.de)
2. Signal ist einer der sichersten Messenger, der auch dank des Zero-Knowledge-Prinzips sehr datensparsam arbeitet und grundsätzlich Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Er ist außerdem quelloffen und dadurch bereits vielfach überprüft worden.
Von einem „US-Anbieter“ hinter Signal zu sprechen suggeriert ein Unternehmen mit kommerzieller Absicht, was Quatsch ist, da die Vereine hinter Signal (ja, die Vereine sitzen tatsächlich in den USA) spendenfinaziert arbeiten.
Die schon erwähnten Struktur von Signal verhindert ein Abgreifen von Nutzerdaten durch Dritte wirksam, auch durch die Signal-Vereine.
3. Auch die hinter Wire stehende Wire Swiss GmbH hatte zunächst US-Eigentümer, die Wire-Unternehmensstruktur wurde bereits mehrfach verändert. Mike Kuketz empfiehlt Signal vor Wire und begründet das im Detail. Genannt sei bspw. die fehlende Post-Quantum-Verschlüsselung und die geringere Vermeidungs- bzw. Schutzstufe bei Metadaten bei Wire gegenüber Signal.
Ob Frau Lindholz über ein besseres Fachwissen als Herr Kuketz verfügt darf stark bezweifelt werden.
4. Bleibt die unbeantwortbare Frage, warum Frau Lindholz dann eine derart schräge, offensichtlich falsche Aussage öffentlich tätigt. Klaudia Lagozinksi von der taz tippt auf einen Mangel an Einsicht und Selbstreflexion.
5. Dass die CSU-Politikerin ihre Interpretation von Messenger-Sicherheitseinstufungen auch noch ausgerechnet in der „Bild“ zum Besten gab rundet das Bild der Politikerin dann nur noch weiter ab.






